auf.kante
Gunnar macht sich selbststaendig und fliegt auf
die Schnauze
wird erfolgreich. Wer mag darf zuschauen.
Gunnar is starting his business. He will certainly
fail succeed. You may watch.
auf.kante

Thu, 12 Apr 2007

Vorfreude

(Bild von djmq)

Ach ja, da geht einem das Herz auf und die Sonne scheint herein. Frühling, Hitze und der ganze Krams... Kann ich doch drauf verzichten, wenn ich so ein schönes Winterbild sehe. Da fühlt man doch die prickelnde Kälte auf der Haut und es ergreift einen eine wilde Vorfreude. Man hofft geradezu, die warmen Tage mögen schnell vergehen...

Wie es geht Dir nicht um den Schnee? Du hast nur kein anderes Bild von der Stelle im Internet gefunden? Ja, das ist mir doch egal. So, Du ziehst da hin? Guck doch: Grau in Grau. Wird auch nicht anders sein als anderswo in Hamburg.

Pah, Altbau. Blödsinn, Zweisamkeit. Guck Dir doch mal die Flocken an. Da wird einem doch wohlig ums Herz. Da rieselt leise der Schnee... Umziehen... ne, wirklich...

Sun, 11 Feb 2007

Hamburg, Lesung: Strictly British

Könnt ihr mir doch nix erzählen. Da ist doch einer mal Sonntags zu Kaffee.Satz.Lesen gelaufen, fand das ja alles ganz nett, hat sich allerdings gedacht: "Ich will aber Tee. Yes, indeed."

Durch einen kurzen Tip auf der Party gestern bin ich also mit meinem Nordlicht heute auf der Konkurrenzveranstaltung des Kaffe.Satz.Lesen gelandet. Und ich muss sagen: "Very british, very nice."

Der Eintrittspreis war zwar doppelt so hoch wie bei der gewohnten Sonntags-Veranstaltung, aber dafür gab es dann die Scones, Sandwiches und den Tee gratis. Und die Scones waren genial. Dazu richtig fette Sahne und eine geniale Himbeer-Sauce. Göttlich.

Lesung? Ach so, ja. Gelesen wurde natürlich auch. Stilecht im holzgetäfelten Salon mit zwei antik gekleideten Vortragenden. Oscar Wilde in Original-Ambiente und in Original-Version. Ich musste zugegebenermaßen aufmerksamer sein als bei einer deutschen Lesung. Aber ganz wunderbare Geschichten.

Wer Tee brauchte musste nur seine Britische Flagge heben und schon kam die Bedienung geeilt. Wir wurden allerdings stilecht vorgewarnt: "Please be patient though. They are only women..."

Wunderbarer Nachmittag. Das nächste Mal steht noch nicht fest, aber ich hoffe es war für die Veranstalter ein voller Erfolg und es findet noch einige Male statt. Hier die Webseite: Strictly British

Fri, 09 Feb 2007

Hamburg, Theater: Impromptü vs. Stadtgespräch

Nach längerer Zeit gab es mal wieder das kostenlose Impro-Doppelpack im Bürgertreff Altona-Nord. Impromptü vs. Stadtgespräch. Sehr schöner Abend.

Ich erinnere mich noch gut an letztes Jahr, als ich den ersten Auftritt beider Gruppen gesehen habe. Damals war ich selber noch auf der Suche nach einem Team. Ich also gleich nach der Aufführung mal einen von den Jungs angequatscht, ob man denn nicht bei ihnen mitspielen könne. So habe ich Klaus Friese kennen gelernt, der diesmal souverän die Moderation übernommen und sich wacker geschlagen hat.

Diesmal wurde Team gegen Team gespielt und das Stadtgespräch hatte da die Nase leicht vorne. Und das obwohl beim "Unparteiischen" (nicht ganz zu Unrecht) das türkisfarbene Hemd unter der weißen Weste vermutet wurde. Schließlich ist der Mann vollwertiges Mitglied von Impromptü. Aber er hat das gegnerische Team sehr fair gewinnen lassen.

Fri, 26 Jan 2007

Das geht nicht

Dein Finanzamt, Dein Garant für fröhliche Telefonate:

Guten Tag, Finanzamt Hamburg-Eimsbüttel.

Ja, guten Tag. Wrobel hier. Sie hatten mir einen Brief geschickt und mir mitgeteilt, dass ich mich von der monatlichen Voranmeldepflicht für die Umsatzsteuer befreien lassen kann. Da wollte ich mich erkundigen, was ich dafür machen muss.

Hm. Geben sie mir mal ihre Steuernummer.

54/331/13464

Hm. Kann ich mir nicht vorstellen, dass wir ihnen etwas geschickt haben.

Naja, ich habe hier ihren Brief vom 9.1. diesen Jahres vor mir liegen.

Warten sie, ich sehe mal nach.

Irgendwo im Hintergrund Suchgeräusche, in der Ferne dudelt das Radio vor sich hin...

Ah ja. Das ist ein maschinelles Schreiben, nicht wahr? Die Daten werden hier ja immer automatisch ausgewertet und dann geht ein entsprechendes Schreiben raus.

Ja und kann ich mich dann von der Pflicht zur monatlichen Voranmeldung befreien lassen?

Nein, das geht nicht.

Aber hier steht doch: "Sie haben die Möglichkeit, die Befreiung von der Verpflichtung zur Abgabe von Voranmeldungen und Entrichtung von Vorauszahlungen zu beantragen."

Hm, kann ich mir nicht vorstellen, dass es diese Möglichkeit gibt. Warten sie, ich schaue mal nach.

Eine Weile später...

Ah, ja. Wenn sie unter einem bestimmten Satz an Umsatzsteuer liegen, können sie sich von dieser Pflicht befreien lassen.

Ja und was muss ich tun, um mich nun befreien zu lassen? Schicke ich ihnen einen Brief?

Nein. Ich kann das ja hier umstellen.

Klickgeräusche.

So, das wärs.

Wed, 24 Jan 2007

Leise rieselt...

.. der erste Schnee des Jahres. Ja, er ist auf dem Bild schwierig zu erkennen. Aber ein bisschen Mühe kann man sich schon geben. Schließlich ist nicht gesichert, dass wir in diesem Jahrhundert dieses Phänomen in Hamburg nochmal beobachten werden können.

Also ich habe jedenfalls mal zu Isas Wintergetränk gegriffen, um feierlich auf den ersten Schnee zu trinken.

Tue, 23 Jan 2007

Abgewendet

Irgendwann Abends. Dir bleiben ein paar Minuten auf diesem Bahnsteig. Umsteigen in Altona. Die Hände in den Taschen vergraben wanderst Du ziellos zwischen den vergitterten Süßwaren und der Bahnsteigkante hin und her.

Du nimmst das Pärchen nur am Rande wahr. Wie sie da so gegen die Plakatwand gelehnt stehen. Irgendwie in Umarmung. Nur wie sein Arm um sie gelegt ist, das stimmt nicht ganz. Und fordert Deinen zweiten Blick.

Seine Hand ist verkrampft in ihr Genick gepreßt, hält sie im harten Griff und presst sie mit der Wange gegen die Wand. Seine Augen sind zu Schlitzen verengt. Und er giftet sie an: "Warum machst Du das, eh? Warum machst Du das?"

Sie weint nur. Was sie sagt kannst Du nicht verstehen. Er zieht sie nach vorne, seine Gesicht entgleist verzerrt und er spuckt ihr eiskalt ins Gesicht. Mit Verachtung.

Als Du zwei Schritte auf ihn zugehst, schaut er Dich an. Der gleiche Blick. Er braucht das "Komm nur" nicht auszusprechen. Gesicht und Körper sprechen mehr als deutlich. "Komm nur, wenn Du meinst Dich hier einmischen zu müssen."

Aber er lockert seinen Griff. Lässt sie los. Sie befreit sich, wendet den Kopf. Tränen und Spucke laufen ihr die Wangen hinunter. Sie wischt sich einmal fahrig mit dem Ärmel über das Gesicht. Und bleibt. Sie bleibt stehen, unternimmt nichts.

Und so verharrst Du. Bleibst stehen und lässt nur den Blick hinter beiden her wandern.

Irgendwann Abends. Dir blieben ein paar Minuten auf diesem Bahnsteig. Dir ist eiskalt.

Fri, 22 Dec 2006

Hamburg, Theater: Ich bin glücklich

Sechs Menschen tuscheln aufgeregt hinter der verschlossenen Tür, kichern verhalten und versuchen krampfhaft mit ihrem Adrenanpegel klar zu kommen.

Ich glaube das ist der Moment den ich am meisten liebe. Bevor Du raus gehst. Wenn Du Dich bereit machst, um auf die Schnauze zu fallen. Los zu lassen. Etwas zu tun, was Du nicht kannst. Dich auf andere zu verlassen, Dein Bestes zu geben und zu wissen, dass Dein Bestes eben nicht gut genug ist. Sich an die eigenen Grenzen zu bewegen, zu lieben, dass sie da sind und manchmal den Schritt darüber hinaus zu wagen.

Sechs Menschen laufen auf die Bühne, geben sich keine Chance mehr auf den Weg zurück. Schalten die Navigation aus und beginnen für den Moment zu leben.

Meine Eltern sitzen in der ersten Reihe. Das Nordlicht in ihrer Mitte. Familiär eingemeindet. Links davon die Improszene, Kamera im Anschlag. Mitte links die lieben Mitspieler von der Mittwochstruppe. Noch mehr Profiaugen. Hinten rechts sehr gute Freunde. Hier bin ich plötzlich nicht mehr anonym. Aber das würde mir nur auffallen, wenn ich wirklich noch denken würde.

Sechs Menschen gleiten durch die Szenen, vertrauen einander und spielen. Sie scheitern, sie brillieren, sie versagen und sie unterhalten. Sie leben ihre Leben auf der Bühne.

Ich bin Mörder, mal schwul, gelegentlich tot, auch alt und gebrechlich, rette Deutschland vor den Russen und bin zu guter Letzt ein Hase. Als Häschen scheitere ich grandios und mich rettet nur der Fangschuss. Ein schöner Tod auf der Bühne.

Sechs Menschen verbeugen sich ein letztes Mal, lassen die Spannung fallen, verweben sich mit den Zuschauern und sind wieder da, unter den Lieben.

Vielen lieben Dank an jeden der da war. Ihr habt uns echt viel Energie gegeben und das war perfekt. Absoluten Dank an Ralf, der leider wegen Krankheit ausgefallen ist, aber großen Anteil daran trug, dass wir gespielt haben.

Wed, 20 Dec 2006

Hamburg, Theater: Mal in eigener Sache

Nun treten wir wirklich morgen Abend auf. Es gab doch einige Probleme und Energietäler zu umschiffen, bis jetzt wirklich sicher ist, dass wir uns morgen Abend das erste Mal auf die Bühne trauen und einer kleinen Menge Publikum stellen werden. Zumindest wohlwollendem Publikum.

Aufregend genug. Als ich hier das letzte Mal auf einer Bühne gespielt habe, kannte ich noch keine Sau in Hamburg. Und da niemand im Publikum saß, mit dem ich auch nur ansatzweise verwandt, verschwägert oder sonst irgend wie verbunden gewesen wäre, war das eine lockere Angelegenheit. Das ist diesmal nicht mehr so und wird es spannender gestalten.

Es war überraschend zu sehen, wie viel Selbstzweifel wir als Gruppe besitzen. Bei zwei heftigen Irritationen kurz vor dem Auftritt ist es eigentlich ein kleines Wunder, dass die Energie gereicht hat, um den morgigen Abend wirklich zu stemmen. Gruppendynamik ist schon spannend. Besonders wenn man drin steckt.

Jetzt lasse ich mich überraschen wie es morgen wird. Klar, wir sind alles Laien, also kann man nichts Spektakuläres erwarten. Aber ich hoffe es wird nett werden. Und ich glaube es wird uns vor allem Spaß machen und die Energie für mehr Bühne geben.

Tue, 12 Dec 2006

Hamburg, Lesung: Kaffee.Satz.Lesen wird ein Jahr alt

Während ich diesen Morgen so durch die Post wühle und Antworten formuliere, bleibe ich bei einer Nachricht hängen und frage mich, wann ich eigentlich das erste Mal beim Kaffee.Satz.Lesen war? Könnte das vor einem Jahr gewesen sein? An die Weihnachtslesung letztes Jahr kann ich mich noch gut erinnern, aber war ich schon einmal vorher dort?

Ich nehme mir den Moment, die Termine der vergangenen Lesungen durch zu gehen und in meinem Tagebuch nach zu blättern. Eintrag vom 18.12. letzten Jahres:

Was allerdings den Tag deutlich verschönert hat, war meine Entscheidung zur Weihnachtslesung "Kaffee.Satz.Lesen" zu gehen. War eine sehr kurzfristige Entscheidung, nachdem ich ein Foto von der letzten Lesung gesehen habe. Kurz nach Kaffee.Satz.Lesen gesucht, festgestellt, dass es im Dezember am 18.12. stattfindet und mir noch zehn Minuten bleiben um los zu düsen. War extrem überfüllt und ich habe nur noch einen Sitzplatz auf einer Kante bekommen. Fragt sich ob so viele Leute wegen der Lesung oder dem Glühwein und Keksen gekommen waren. War aber beides sehr gut. Schon faszinierend, dass es so viele gute Autoren in Hamburg gibt.

Als ich das lese muss ich lächeln. Mir war nicht mehr bewusst, dass mich Kerstin indirekt dazu verleitet hat, zu dieser Veranstaltung zu gehen.

Irgendwie macht mich das fröhlich. Und ich freue mich auf Sonntag. Auf Glühwein, Gebäck und Kuchen. Und Hamburgs wunderbare Autoren.

Wed, 06 Dec 2006

Hamburg, Lesung: Transit #31

Obwohl ich nach dem letzten Mal Transit ja nicht ganz so überzeugt nach Hause gegangen bin, hat mich dann diesmal die Begeisterung wieder vollständig erwischt. Abwechslungsreicher war es noch nie.

Hellmuth Optiz als eröffnender Autor hat zwar anfänglich qualitativ etwas tief gestapelt aber dann einen wunderbaren Wechsel zwischen charmanten und tiefsinnigen Gedichten hin gelegt. Sehr angenehmer Einstieg.

Anja Frisch folgte dann mit einer gut konstruierten Geschichte, einfühlsam aus Kinderaugen erzählt.

Und an Cornelia Travnicek schieden sich dann nach der Pause die Geister. Jedenfalls der meiner Schwester und der meinige. Ich liebe diese Art melancholischer Texte, brauche da nur die Augen zu schließen und verliere mich irgendwie. Aber Geschmäcker sind verschieden.

Den runden und gelungenen Abschluß machte Nora Gomringer mit viel Humor, Sprechkunst und Schauspielerei. Beeindruckende Geschwindigkeit beim Wechsel der Stimmlagen. Könnte man auch sehr gut beim Improvisationstheater gebrauchen.

Sehr facettenreicher Abend und absolut gelungen. Nur leer war es irgendwie. Mir war nicht klar, dass sich das Publikum bei Lesungen und Fußball so stark überschneidet. Ich habe aber dazu gelernt. Spätestens als Daniel meinte:

Och, ich hätte ja auch ganz gerne Fußball geguckt.

Schäm Dich ;) Die Alternative war besser.

Sat, 02 Dec 2006

Hamburg, Party: Datscha Party

Ja, fast vergessen, aber heute morgen glücklicherweise noch erinnert worden:

Datscha-Party, heute Abend, Fundbüro, Stresemann Str. 114

Und Tanzen schadet ja nicht, ne?

Sat, 11 Nov 2006

Heimat

Und manchmal... manchmal da flechtet sie ganz ungezwungen die Worte "hünen und püdünen" in den Satz. Und dann lächle ich in einem Winkel meines Herzen, weiß, dass ich jetzt im Norden bin, und fühle mich ein wenig zu Hause.

Thu, 09 Nov 2006

Inkompatibel

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, warum ich auf diesem Planeten gelandet bin. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es Sinn macht, dass ich an einem Ort existiere, an dem es Fahrräder gibt. Ich fühle mich zunehmend inkompatibel mit dieser technischen Errungenschaft.

Das liegt eigentlich weniger an der Tatsache, dass ich grundsätzlich unfähig bin langsam zu fahren. Eventuelle Begleitung gesteht mir hechelnd am Ende der Fahrt, dass ich die Sache doch etwas zu flott angehe. Fahre ich allein, dann erreiche ich meinen Zielort meist nur mit maximalem Durchfluss aus allen Schweißdrüsen und nass durchtränktem T-Shirt.

Nein, das Problem ist, dass die Dinger im Allgemeinen versuchen meine Gegenwart zu meiden. Selbst wenn sie mir rechtmäßig gehören. Am erfolgreichsten war dabei mein Vehikel in Heidelberg.

Ich bin von Natur aus notorischer Fußgänger und benutze das Fahrrad eigentlich nur dann, wenn ich schnell irgendwo ankommen muss. An irgend einem Abend an den ich mich im Nachhinein nicht mehr wirklich erinnern konnte, muss ich es damals in Heidelberg wohl eilig gehabt haben. Ob nun Party oder Kneipe oder was auch immer an diesem Abend geschah, zum Ende des Abends war ich wohl deutlich gelöster als zu Beginn. Und bin völlig entspannt nach Hause gegangen.

Irgendwann zwei Wochen später habe ich dann begonnen mich zu fragen, wo eigentlich mein Fahrrad ist. Leider gab es bei der versuchten Rekonstruktion der Zusammenhänge einfach keine ausreichende Menge an Hinweisen mehr. Mehr als ein paar wahrscheinliche Orte abzusuchen ist mir nicht geblieben. So steht wohl heute noch irgendwo in Heidelberg ein verwaistes, violett-schwarzes Damen-Rad, das sich diebisch freut seinem Herrchen entkommen zu sein.

Nun fahre ich in Hamburg seit zwei Monaten wieder Fahrrad und es kommt wie es kommen muss: Dienstag Abend nach Transit bricht mir mein Schlüssel im Schloss ab. Klare Verweigerungstaktik von Seiten meines Fahrrades. Ich weiß auch nicht, was ich ihm getan habe. Es redet einfach nicht mit mir.

Ich überlege noch kurz, ob ich Merlix zu Hilfe rufen soll. Schließlich kommt der mit seiner Herzdame klar und sollte doch eigentlich mit allen Wassern gewaschen sein. So ein bockiges Fahrrad ist nix für den. Aber er verschwindet schon als ferner Schatten um die nächste Ecke.

Also bleibt mir nichts, als mein Gefährt einsam auf der Schanze nächtigen zu lassen. Kann mir schon denken, wie es die ganze Nacht sehnsüchtig auf einen gierigen Langfinger wartet, nur um mir zu entkommen. Aber nicht mit mir. Und es braucht auch nicht zu glauben, dass es noch gut genug aussieht, um einfach so jeden Kerl abschleppen zu können.

Und ich komme wieder. Den nächsten Tag mit schwerem Gerät. Naja, einer kleinen Zange. Um das Schlüsselblatt aus dem Schloß zu befreien. Und mein eigen Hab und Gut wieder fröhlich nach Hause zu fahren, nachdem ich das Schloss mit meinem Zweitschlüssel geöffnet habe. Dem Zweitschlüssel. Genau dem Zweitschlüssel, den ich in aller Hektik zu Hause vergessen habe.

Da stehe ich nun mit meiner kleinen Zange auf der Schanze und realisiere, dass eine Zange einfach kein Bolzenschneider ist. Dass ich mal wieder verloren habe. Und bin mir sicher, dass es Absicht ist. Ich selbst kann einfach nicht so blöd sein, dass ich die Zange mitnehme und den Schlüssel vergesse. Nein, so blöd kann ich nicht sein, will ich nicht sein,... es muss das Fahrrad sein.

Ob es heute noch da steht? Bekomme ich eine zweite Chance? Oder ist es fremd gegangen? Ich befürchte das Schlimmste und beginne einen generellen Hass auf Fahrräder zu entwickeln.

Aber manchmal, manchmal habe ich das Gefühl es liegt an mir. Manchmal, wenn z.B. die Nachtschwester mich als Apraktiker bezeichnet, dann denke ich, ich brauche Hilfe.

Aber ach, was soll ich mir Gedanken machen. Solange mich meine Füße noch tragen. Und ich mir kein Auto kaufe.

Fri, 03 Nov 2006

Der letzte Vorhang

Kann mir jemand erklären, warum ich das ein Jahr lang gemacht habe? Bin ich mit meinem Einzug in die Hansestadt irgendwie unbemerkt zum Exhibitionisten geworden? Bloggen für sich genommen ist ja schon schlimm genug. Aber darüber hinaus in einer Erdgeschosswohnung zu leben und bewusst keine Gardinen anzubringen.

Natürlich, ich habe Erkenntnisse gewonnen. Ich kann ganz wunderbar nachvollziehen, warum sich die eine oder andere Oma mit ihrem Kissen in das Fenster lehnt. Die Integration in die Nachbarschaft passiert da quasi wie von selbst. Mittlerweile grüße ich eine ganze Reihe Leute aus den umliegenden Häusern nur vom Sehen und Gesehen werden. Ganz besonders gerne die Nachbarin aus Nummer 14, die eine ganze Weile jeden Morgen an meinem Fenster vorbei gejoggt ist und die ... aber das gehört nicht hier her.

Auch die Bandbreite der Reaktionen, wenn jemand in mein Fenster hinein stiert, fasziniert. Von "Wenn er da schon sitzt, kann ich auch gucken" bis zu "Oh Gott, oh Gott, er hat gesehen, dass ich geguckt habe.... Ewige Verdammnis!". Frauen, die lächeln und fröhlich winken. Ja, ja, nur einmal. Aber es will doch erwähnt sein.

Wiegt das den Verzicht auf eine gesicherte Privatsphäre auf?

Kaum dass ich meine Nähmaschine aus dem Schrank geholt habe und dazu ansetze mir Gardinen zu nähen, erfasst mich ein unerwartetes, unbändiges Gefühl der Freude. Und mir wird schlagartig klar, dass ich die Privatsphäre vermisst habe. Warum ich das nicht vorher begriffen habe, bleibt mir aber ein Rätsel.

Und nun ist er gefallen, der letzte Vorhang. Und ich bin allein. Und fröhlich.

Mon, 30 Oct 2006

Hamburg, Theater: Kurz notiert

Ein paar vermischte Theater-Events der nächsten Tage: Heute Abend gibt es Impro-Theater von Hidden Shakespeare im Schmidt Theater. Würde ich super gerne sehen, weil ich die Gruppe selbst noch nicht gesehen habe, aber eigentlich nur Gutes berichtet wurde. Aber das war dann heute etwas zu kurzfristig, so dass ich nicht da sein werde.

Donnerstag dann definitiv eine Empfehlung: ICE CUBE / frozen minds. Das Stück das Jens-Jakob im letzten Jahr im Rahmen des Eigenarten Festivals gebracht hat, war sehr sehenswert. Es wird wahrscheinlich auch dieses Jahr wieder visuell aufwändig, einsam und etwas melancholisch. Karten heute reserviert.

Für Freitag schlummert dann noch das Ticket für Hänsel und Gretel in meiner Tasche. Da muss ich mich aber erst mal überraschen lassen wie es wird. Kommentar folgt am Wochenende.

Hamburg, Lesung: Die rosa-rote Lesung

Meine Güte war das voll gestern. Kaffee.Satz.Lesen platzte aus allen Nähten. Gar nicht auszudenken wenn es letzten Monat genau so voll gewesen wäre. Da bin ich exakt um vier zur einleitenden Musik in die gemütliche Stube geplatzt. Und bekam den letzten Platz neben einer mir damals noch völlig unbekannten Dame. Hätte der gleiche Platzmangel wie gestern geherrscht... Herr Paulsen hätte mich wahrscheinlich wieder nach draußen in die Kälte schicken müssen. Mit völlig unkalkulierbaren Schäden für mein Gemütsleben. Kaum auszudenken. Aber das Schicksal war mir vor einem Monat wohl gesonnen.

Gestern war ich pünktlich. Die Dame neben mir die Gleiche. Nur diesmal deutlich vertrauter. Und irgendwie hatte Kaffee.Satz.Lesen diesmal diesen seltsam rosa-roten Touch. Ist das sonst jemandem aufgefallen?

Fri, 27 Oct 2006

Hamburg, Lesung: Kaffee.Satz.Lesen am Sonntag

Ist mal wieder am Sonntag. Nummer 33 oder so. Kann ich mich gerade nicht daran erinnern. Ist aber auch egal, weil ist ja eh immer schön. Und es ist auch wieder ganz Hamburg da. Also ich jedenfalls auch. Und der Merlix halt. Ja und ganz viele, die ich kenne. Eben Hamburg. Man sieht sich.

Wed, 04 Oct 2006

Hamburg, Lesung: Transit #29

Sie dreht sich zu mir um, lächelt und meint: "Kannst Du Dich daran erinnern, dass Transit jemals so schön war?"

Ich schüttele den Kopf und verneine. Obwohl ich auch an Tranzyt #28 noch sehr gerne zurück denke, war der gestrige Abend etwas Besonderes.

Als Daniel vor zwei Wochen meinte, er sei noch nicht sicher, ob der Saal überhaupt fertig werden würde, hatte ich als Bild wohl etwas anderes im Kopf. "Fertig" bezeichnete gestern Abend eher die Tatsache: "Wir haben Strom!".

Damit hatte der Saal aber seine ganz eigene Baustellen-Atmosphäre, die von der gold schimmernden Stehlampe am Leserpult in die Welt von Transit verwandelt wurde.

Stevan Paul, von dem ich ja eigentlich langsam mal genug haben könnte, hat sich geschickt als Grieche getarnt und mich so ein weiteres Mal mit einem seiner Texte zum Lachen gebracht. Wunderbarer Einstieg in den Abend.

Vera Klocke wird vielleicht nicht gleich jeden verzaubert haben, weil ihr die Übung im Vorlesen noch gefehlt hat. Aber ein Buch oder Texte von ihr würde ich jederzeit kaufen, denn für mich traf sie genau den Punkt, bei dem ich die Augen schließen mußte und traurig werden durfte.

Dafür konnte ich mich dann weniger mit dem Text von Thomas Pletzinger anfreunden, wobei ich zugeben mußte, dass er gut war. Und darauf kommt es schließlich an.

Krönenden Abschluß bildete Saša Stanišić. Der wunderbar einfühlsam vorgelesen hat. Ich könnte nicht im mindesten beschreiben, was er eigentlich gemacht hat, um mich so in seinen Bann zu schlagen. Aber seine Worte haben einen in eine andere Welt transportiert. Ein sehr schönes Buch, von dem ich mir ein Exemplar mitnehmen musste.

Sun, 01 Oct 2006

Hamburg, Lesung: Etwas Magie in Eimsbüttel

Eimsbüttel ist schon ein schöner Stadtteil zum Wohnen. Nur in Sachen Kultur, Ausgehen und Party ist hier generell weniger los. Immerhin, das große Hamburg liegt vor der Haustür, man kann sich also nicht wirklich beklagen. Trotzdem ist es nett, wenn man mit Freunden nur die Osterstraße runter radeln muss, um mal "vor Ort" etwas Kultur mitzunehmen.

"8 min. Eimbüttel" ist Poetry Slam im JavaHouse. Der Abend war einigermaßen fest in Bloggerhänden und weder Herr Paulsen noch Merlix haben sich wirklich schwer damit getan ihr russisch Brot als Siegprämie ab zu räumen.

Paulsen hat verdientermaßen mit der Geschichte von Herrn Hansen gewonnen. Als Zugabe hatte ich das Vergnügen mir die "Originalversion" des Wellenreiters anhören zu dürfen. Wobei ich es nett fand, dass Herr Paulsen meinen ersten Leseversuch bei blog:read offensichtlich nicht ganz so schrecklich fand wie ich selbst im Nachhinein.

Merlix hat nochmal gerockt, wobei seine Zugabe über die Erleuchtung noch einen Tick schöner war. Und ich weiß jetzt endlich auch, was bei der Herzdame vorne auf dem T-Shirt steht. Steht drauf, was drin ist.

Mein persönliches Highlight? Hatte eigentlich gar nichts mit der Lesung zu tun. Sieht so aus als hätte ich vielleicht endlich eine feste Improtheater-Truppe gefunden, bei der ich noch einsteigen kann. Da ich schon über mehrere Monate gesucht habe, wäre das ganz wunderbar. Und so kann ich momentan den Donnerstag gar nicht abwarten...

Sat, 30 Sep 2006

Hamburg, Konzert: gutfürnkeller

Eigentlich wollte ich die Band mit dem seltsamen Namen ja noch mal mit einem kleinen blog:read Beitrag bewerben, aber da Modeste derzeit in Wien in den Herbst liest, warte ich da lieber noch ihr endgültiges OK ab, wenn sie sich den Text anhören konnte. Gibt dann Montag oder Dienstag neues depressives Futter für blog:read.

gutfürnkeller spielt davon natürlich vollkommen unbeeindruckt trotzdem morgen Abend in der Astra Stube. Appetithäppchen gibt es auf der Homepage und mein Favorit ist immer noch Secret Agent Woman. Leider weiß ich nicht genau ob ich es morgen selber packe, aber ich werde mich bemühen.

Tue, 26 Sep 2006

Haben sie etwas zu verzollen?

Ich stolpere mal wieder in schwitzender Hektik die Treppe hoch. Sekretariat, hier bin ich richtig. Kurz vorher links in den Raum rein und ... Hä? Falsches Land? Die kenne ich ja gar nicht. Mist, wieder verbockt. Es kann doch nicht so schwierig sein sich einen Raum zu merken. Ich setze fast wieder in den Rückwärtsgang und erhasche im letzten Moment noch einen Blick auf Anke. Die kenn ich doch. Die blonde Anke, mit Blümchen-Top und dem Schriftzug "Perfect Love" über den Busen gedruckt. Hier bin ich doch richtig. Nur die anderen beiden sind mir unbekannt. Wir scheinen Zuwachs bekommen zu haben. Schweden erfreut sich offensichtlich ungeahnter Beliebtheit.

Also bewege ich mich wieder in den Raum hinein und platziere mich neben Anke. Während ich mich um etwas Small Talk bemühe blinzele ich neidisch auf ihre Kaffeetasse. Irgendwann muss ich mal früher kommen, dann schaffe ich auch den Kaffee vorher noch. Ob ich vielleicht noch kurz runter renne, bevor unsere Lehrerin Agnes reinschneit?

Nein, da kommt sie. Abgehetzt, im Mantel, völlig durch den Wind. Sie strahlte auch schon mal mehr Ruhe aus. Und sofort befinden wir uns im Profi-Kurs Schwedisch. Sie brabbelt vom Zug aus Bremen, 45 Minuten Verspätung, Hamburger gefuttert, ihr ist schlecht, sie braucht noch zwei Minuten. Und stürmt gleich wieder raus. Die zwei Neuen sind leicht irritiert. Sie hatten hier den Anfängerkurs vermutet. Und die Bahn-Hamburger-Geschichte war deutlich außerhalb der dreißig Vokabeln der ersten beiden Stunden.

Nach fünf Minuten rauscht Agnes wieder in den Raum. Zustand unverändert und die fahrigen Bewegungen an der Stirn deuten eine Migräne an. Sie platziert Wasserflasche, Glas und Aspirin schon mal auf dem Tisch und entledigt sich dann ihres Mantels. Immerhin kann sie noch fröhlich auf Schwedisch daher plappern und textet Anke und mich mit Sätzen zu, die unsere volle Aufmerksamkeit erfordern und an manchen Stellen zum Ratespiel verkommen.

Dann endlich die Gelegenheit für die beiden Neuen sich mal vorzustellen. Ellen neben mir hat schon reichlich große Augen bekommen aber Agnes meint fürsorglich, dass sie sich nicht zu fürchten bräuchte. Das sei wirklich ein Anfänger-Kurs. Nein, Ellen beteuert, sie hätte auch noch keine Angst.

Zeit für Rudolf in den Raum zu platzen. Leicht erhitzt, mit roten Bäckchen. Schaut sich hektisch nach einem Platz um und läßt sich zielgenau zwischen die beiden Neuen fallen. Da sitzt er gut und entwickelt noch mehr Hitze. Agnes fordert ihn auch gleich auf, sich mal mit den beiden Damen bekannt zu machen. Fröhlich strahlend kramt er die Grundkonversation hervor: "Hej! Jag heter Rudolf. Vad heter du?" Die neue Nr. 2 kontert mit "Jag heter Anna" und erobert so souverän den Status eines vollwertigen Kursmitgliedes.

Anke bekommt das Vergügen Ellen weiter zu interviewen und stößt zielsicher auf die persönliche Ebene vor: "Är du gift?" Ich fand es extrem praktisch gleich nach der ersten Stunde in der Lage zu sein den Ehestatus zu verifizieren. "Läuft bei dir noch was oder schon vor Anker?" Ellen zieht sich dank Unwissen aber geschickt aus der Heirats-Affäre und weitere Erklärungen erübrigen sich, da Ralf in dem Moment pünktlich eine Viertelstunde zu spät kommt und das heitere Beziehungsraten unterbricht.

Ralf ist lågom. Also so lala. Jetzt nicht menschlich, sondern vom Gemütszustand her. Auf die Frage ob es ihm gut geht - "Hur mår du?" - antwortet er exakt und präzise mit "Ja, jag mår." In der Normalform des Satzes würde da noch ein "bra" für gut oder ein "dålig" für schlecht dran hängen. Aber Ralf liebt diese undefinierten Schwebezustände. Letzte Stunde haben wir nach der Kombi

Agnes: "Är du gift?"

Ralf: "Ja, jag är gift."

Agnes: "Är du lycklig?"

Ralf: "Äh, Ehe, ... hm, ... glücklich, ... hm, ... naja ..."

eben das Wort lågom gelernt. So lala.

Und damit sind wir, abgesehen von Judy, wohl erst mal vollzählig. Judy schaut diese Woche in England nach dem Rechten und wird uns erst nächstes Mal wieder beehren.

Agnes zieht uns trotz Migräne durch ein Powerprogram der schwedischen Grundlagen und hinterläßt uns damit wenigstens genauso erschöpft, wie sie uns zu Beginn des Kurses erschien.

Das Wort des Tages? "Vertulla". Verzollen. Schnaps, was sonst. Ich habe den Eindruck der Kurs bleibt praxisnah.

Und warum Anna als Abdeckerin Schwedisch lernt erzähle ich dann nächstes Mal. Jetzt muß ich erst mal ein paar Vokabeln lernen.

Thu, 21 Sep 2006

Widerlich

Es gibt Blogger, die schrecken in ihrer grenzenlosen Sucht nach Ruhm und Anerkennung vor nichts zurück. Die schicken sogar ihre Frau zum Anschaffen auf die Straße.

Geht ja gar nicht so was. Die Szene verkommt.

[Gefunden bei Merlix, wo sonst]

Wed, 20 Sep 2006

Hamburg, Lesung: Kaffee.Satz.Lesen 32

Genau, ganz Hamburg bereitet sich vor, also keine Ausreden. Sonntag, 16 Uhr, Rederei Hamburg.

Diesmal nicht nur Kaffee und Kuchen sondern auch wunderbare Bilder.

Tue, 15 Aug 2006

In der Junkie-Falle

Nachts, drei. Hamburg. Klar, Reeperbahn. Letzte Ladung Esso tanken. Um die Ecke biegen und ....

... gefangen werden. Kleine Motte, dem Licht entgegen. Ab in die Junkie-Endabsteige. Portal zum nächsten Level. Laue Sommernacht. Ab auf die Bretter. Liegen, rot, blau, grün spacen.

Ist noch Diesseits? Oder eine Stufe weiter? Der Märchenmann materialisiert. Zehn Begriffe für unser Schicksal nach dem letzten Joint. Wir folgen dem Weg ins böse Buch. Gleiten durch den Elbtunnel in fremde Realitäten.

Ich bin auf Abwegen. Virtual Insanity. Virtuell egal. Hauptsache insane. Auf psychedelischen Umwegen.

Wieder eingefangen vom Märchenmann. Dem schwulen Katholiken. Dem katholischen Punk. Der punkige Schwule. Der Mann kennt mehr Kongo als Angie. Kongo ist größer als Europa.

Der Märchenmann wird erster schwuler Bundeskanzler und wir sind einen Level weiter.

Reeperbahn? Psychedelic pur.

Fri, 04 Aug 2006

Hamburg, Konzert: Kante bei Michelle Records

Kann mir mal jemand verraten, warum Kante immer noch größtenteils unbekannt ist? Die Musik ist klasse, die Texte ebenfalls, der Gesang stimmt, was will man denn mehr?

Immerhin, Michelle Records war gerammelt voll und deutlich überhitzt. Allerdings zu eng zum Abrocken. Dafür bleibt dann nur das Übel & Gefährlich - da kommt Kante nochmal am 29.9. vorbei.

Auf jeden Fall war das Konzert im Schaufenster des Plattenladens extrem gut und bot eine ungewohnte Atmosphäre. Hat Spaß gemacht. Der Sänger (Peter Thiessen) hat es eigentlich am besten gesagt:

"Wenn ihr Gras dabei habt, dann baut Euch jetzt einen und spaced Euch weg zu der guten Musik."

Fri, 28 Jul 2006

Hamburg, Theater: Die Hochzeit des Figaro

Sicherlich eine der schönsten Theaterbühnen des Hamburger Sommers: Der Wohlers Park. Man hockt sich mit seiner Flasche Wein irgendwo auf den Boden zwischen den hundert restlichen Zuschauern und genießt die Komödie, die sich zwischen den Bäumen des Parks entfaltet.

Wenn man ehrlich ist, sind zwar weder das Stück an sich, noch der Gesang wirklich hunderprozentig, aber die schauspielerische Leistung war grandios. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Vorstellung nichts kostet und gegen Ende nur um eine Spende gebeten wird. Das "Bühnenbild" zwischen den Bäumen hat die romantische Stimmung wunderbar unterstützt und so kann ich nur jedem Hamburger oder Zugereisten empfehlen hier einen sehr entspannten und unterhaltsamen Abend zu genießen.

Mon, 24 Jul 2006

Hamburg, Theater und Lesung: Freiluft-Kultur

Im Sommer ist das kulturelle Angebot ja deutlich reduziert, denn wer will schon Abends in einem stickigen Kino oder überhitzten Theater sitzen. Dann doch lieber mit einem kühlen Bier an Elbe oder Alster den Sonnenuntergang genießen.

Ab und zu lässt sich aber auch beides kombinieren. Zum Beispiel am Sonntag bei Poets on a Beach am lauschigen Elbstrand. Oder auch bei den Elfen im Park, die leider auf ihrer Homepage die aktuellen Termine nicht erwähnen. Aber laut taz dreht sich seit letzter Woche jeweils Donnerstags und Freitags im Wohlers Park alles um Mozart (bis zum 13.8.).

Kostet übrigens beides nichts.

Sun, 16 Jul 2006

Teufel los im Millerntor-Stadion

Da dachte ich jetzt, ich könnte mich mal ein wenig auf St.Pauli einstimmen und mir wenigstens das Stadion ansehen. Vielleicht würde mich das ja motivieren mir in der nächsten Saison ein Spiel anzusehen.

Gut, es ging ja eigentlich nur um Open-Air-Kino. Und dazu noch Tendenz Frauen-Film: "Sommer vorm Balkon". Aber der Film ist schließlich gut. Außerdem wurde mir letztes Wochenende zufälligerweise der Original-Balkon gezeigt. Inklusive Apotheke. Und da hätte ich ja dann schon mal ein positives Ereignis mit dem Stadion verbinden können.

So saßen wir dann um zehn gespannt auf unseren Plätzen.

22:00

...bla ... bla ... möchte sie begrüßen zu den Filmnächten am Millerntor ... bla ... bla ... Tschüss! ... Äh, nein, ... Viel Spaß!

22:10

Ich hab's gleich, dauert nur noch fünf Minuten.

22:25

Wir haben leider ein technisches Problem mit dem Projektor, dauert nur noch fünf Minuten.

22:40

Dem Ingenieur ist nichts zu schwör... bitte gehen sie noch nicht. Ich hab's gleich.

22:55

Ja, tut mir leid, wir haben immer noch ein Problem mit dem Projektor. Soweit ist jetzt eigentlich alles ok, aber ich brauche noch eine Schraube. Dann dauert es nur zwei Minuten und es kann losgehen.

23:15

Wir stehen in der Schlange nach draußen, lassen uns unser Geld wieder zurück geben. In dem Moment rennt jemand mit einer kompletten Filmspule an uns vorbei. Als wir wieder auf dem Fahrrad saßen lief der Film dann hinter uns an.

Das war ja mal eine wirklich tolle Verarsche. Von wegen Schraube. Die fehlte höchstens beim Ingenör. Also Millerntor-Stadion erst mal negativ besetzt.

Fri, 30 Jun 2006

Plönck

Ein menschlicher Schädel der unvermittelt auf den Holzfußboden knallt. Sofort flutet Licht den Saal, Sanitäter eilen schnellen Schrittes herbei. Hunderte Gesichter suchen irritierten Blickes die Person, die am Boden liegt. Mitgefühl schwängert die Luft.

Auf der Bühne die beiden Schauspieler. Herausgerissen aus der von ihnen geschaffenen Welt. Hilflos, erschüttert, bleibt nichts als Warten. Bis die Ärzte kurz darauf nicken, den stabilen Zustand signalisieren und der Patient wieder sitzt. Offensichtlich unbeschadet.

Benedikt und Beatrice verharren in Anspannung, die sich nicht löst. Zweifelnden Blickes, zögerlich fragend:

"Ist alles in Ordnung?"

Es wird genickt, bejaht. Benedikt ringt nach Fassung, versucht aus Spannung, Nervosität und Konzentration zur Ruhe zu kommen, murmelt:

"Vielleicht ist er nur eingeschlafen."

Die unfreiwillige Komik löst den Knoten. Er schüttelt die Irritation ab, sucht den Fokus und den Faden:

"Wo war ich? Ich war gerade beim Sterben..."

Das sprengt den Knoten vollends. Beatrice und Benedikt blicken sich in die Augen, müssen unfreiwillig lachen und ihre verkrampften Körper lösen sich sichtbar. Sie geben sich kurz Halt, umarmen sich, nehmen Kraft vom jeweils anderen.

Und fahren fort. Besiegeln endgültig Benedikts blutiges Schicksal.

Mon, 19 Jun 2006

Bei Axel Brauns auf dem Sofa

Den Namen Axel Brauns habe ich das erste Mal vor drei Monaten gehört. Als Namen eines Hamburger Filmregisseurs der besonderen Sorte. Die Geschichte konnte ich mir merken, den Namen nicht.

Als ich vor drei Wochen die Plätze für die Wohnzimmerlesung reserviert habe, fiel der Name ein zweites Mal. Und zwar als Spender des Wohnzimmers. Ich notierte den Namen bar jeglicher Assoziation. Der kleine Zettel gammelte seitdem friedlich auf meinem Schreibtisch vor sich hin.

Am Samstag animierte mich die Notiz dann aber dazu nachzusehen, ob denn der Mensch mit dem Wohnzimmer auch irgendwie literarisch aktiv sei. Google führte wie üblich in zwei Schritten zum Ziel.

Ein Autist, der mit seiner Biografie in der Spiegel-Bestseller Liste landet und derzeit als Regisseur arbeitet. Der eine völlig wildfremde Horde Leute für eine Lesung in sein Wohnzimmer einlädt!? Ich war mehr als fasziniert.

Zuerst landete seine Autobiografie auf meiner Wunschliste bei Amazon, nur um dann kurze Zeit wieder gelöscht zu werden, da ich noch ein letzes Exemplar in der Buchhandlung fand. Die Zugfahrt am Sonntag wurde vollständig durch "Buntschatten und Fledermäuse" ausgefüllt. Eine wunderbare Lektüre. Die Geschichte ist bewegend und sprachlich ist das Buch eine kleine Schatztruhe in der ich einige Sätze gefunden habe, die mich glücklich gemacht haben.

Es wäre natürlich auch ohne diesen Hintergrund faszinierend gewesen an einer fremden Tür zu klingeln, die Treppe bis zum obersten Stock zu erklimmen und das unbekannte Wohnzimmer zu betreten.

Eine Lesung, bei der fünfzehn Leute gemütlich beieinander sitzen, die zwei Autoren (Benjamin Maack und Friederike Trudzinski) auf dem Sofa vor einem. Man fühlt sich wie unter Freunden.

links: Benjamin Maack, rechts: Friederike Trudzinski

Allerdings bin ich vermutlich etwas zu weit gegangen als ich Friederike gefragt habe, ob diese Sofa-Situation der Standard sei. Irgendwie harmonierten die beiden so gut und manchmal bin ich offensichtlich ein neugieriger Mensch.

Benjamin hat uns mit sehr abwechslungsreichen Kurzgeschichten verwöhnt und durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt. Der tragische Tod eines Baby-Igels traf einige der Zuhörer doch etwas härter und auf die Frage, warum es denn kein Happy End gegeben hätte, entwarf er kurzerhand und wortgewandt eine goldene Zukunft im Igel-Himmel. Er wäre gut beim Improvisieren auf der Bühne.

Friederike scheint durch die zwei Schwestern und ihre eigene Perspektive mehr als nur einen tiefen Einblick in die weibliche Psyche bekommen zu haben. Ihre Texte waren messerscharfe Bilder weiblicher Eigenarten, gewürzt mit einer guten Prise Selbstironie und einem sehr melancholischen Gefühl der Isolation. Der Stil hat mich derart fasziniert, dass ich bei ihrem Buch nicht Nein sagen konnte. Dazu hat sie noch perfekt vorgelesen. Ich war überrascht, dass sie keinerlei Training dafür absolviert hat. Sie verwies nur auf die Notwendigkeit sich bei zwei Schwestern durchsetzen zu müssen.

Axel Brauns hatte sich während der Lesung zur Sicherheit hinter seinem Schreibtisch und den Getränken verschanzt. Aber er beteiligte sich lebhaft an den Gesprächen. Hoffentlich hat ihm die Lesung genauso viel Freude bereitet wie uns.

Wie meinte Trixie kurz und präzise, als die Tür hinter uns wieder ins Schloß fiel:

"Scharf!"

Thu, 15 Jun 2006

Vorfreude

Wohnzimmerlesung. Hat schon vom Namen her etwas Faszinierendes. Einfach mal bei fremden Leuten das Wohnzimmer besetzen, den mitgebrachten Wein entkorken und sich von Profis etwas vorlesen lassen. Kann es viel gemütlicher werden?

Am Sonntag lesen jedenfalls Benjamin Maack und Friederike Trudzinski in einem geheimen Wohnzimmer. Und die Vorfreude hat mich schon erfasst.

Wed, 07 Jun 2006

Tranzyt #28

links: Katja Danowski, rechts: Wojciech Kuczok

Schon alleine das alte Karstadt-Gebäude mit der Hansepol-Ausstellung wäre wohl einen Besuch wert gewesen. Vor der Lesung blieb noch ein wenig Zeit die verschiedenen Kunstobjekte - nun ja - sagen wir mal wahrzunehmen. Einiges war recht interessant, wobei ich den Harakiri-Hasen zugegebenermaßen nur aus rein voyeuristischen Gründen abgelichtet habe.

Für die eigentliche Lesung durfte man in einer extra eingerichteten Wohnzimmerecke in der alten Verkaufshalle Platz nehmen. Sehr gemütliches Ambiente. Im Ohrensessel zurück lehnen und der polnischen Volksmusik aus einer anderen Zeit lauschen.

Daniel Beskos hatte mit seiner Moderation zwar einige Schwierigkeiten Brücken zwischen Polen und Deutschland zu bauen, aber das hatte ganz unbestreitbar seinen eigenen Charme.

Der erste Autor, Michael Weins, klärte so zum Beispiel direkt zu Beginn, nie mehr als Urlaub in Polen gemacht zu haben und raubte der Moderation jegliche Chance die vorbereiteten Fragen anzubringen. Dafür lieferte er aber danach eine wunderbar traurige Geschichte fehlgeschlagener deutsch-polnischer Kommunikation.

Artur Becker folgte mit der Feststellung, dass ihm nach 21 Jahren Kosmopoliten-Daseins in Deutschland leider auch fast jeglicher Bezug zum heutigen Polen fehlen würde. Daniel blieb auch nicht mehr viel übrig als das nickend zur Kenntnis zu nehmen und zu dem Buch "Die Zeit der Stinte" überzuleiten. Das liegt jetzt übrigens auf meinem Schreibtisch. Muss ich also noch erwähnen, dass es mir gefallen hat?

Die beiden nächsten Autoren, Wojciech Kuczok und Dorota Maslowska, lieferten als Polen zwar den direkten Bezug zu unserem östlichen Nachbarn, aber sie stellten Daniel Besko auf keine geringere Probe. Die deutsche Übersetzung beider Texte wurde von Katja Danowski vorgelesen und so bestand die Aufgabe der eigentlichen Autoren nur in stoischem Dabei-Sitzen. Das führte zu einigen verlegenen Fragen, ob das denn okay wäre und der kurzen Ankündigung, "Dorota würde sich einfach gerne nur hier hinsetzen und eine Zigarette rauchen." Und wenn es auch eine gewisse unfreiwillige Komik hatte, passte es perfekt in die Stimmung.

Ganz großes Kompliment an Katja Danowski. Es hat etwas Faszinierendes wenn Literatur von einer professionellen Schauspielerin vertont wird. Besonders beim Text von Wojciech Kuczok liefen einem Schauer über den Rücken. Wobei ich wahrscheinlich Text-unabhängig an ihren Lippen gehangen hätte. So etwas nennt man dann wohl Bühnenpräsenz.

Wunderbarer Abend.